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Ich mache heute mal auf Sawsan Chebli

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Neulich erinnerte ich mich an eine alte Kinderfreundschaft, 60 Jahre ist es her, dass wir uns im Zuge einer deutsch-sowjetischen Freundschaftsaktion unserer Schule kennenlernten und Briefe austauschten.

Sie war aus der Nähe von Kiew und schrieb und sprach besser Deutsch, als ich Russisch, weil dort Deutsch als Zweitsprache obligatorisch war.

Es war kein sehr reger Briefwechsel, weil es manchmal einen Monat und länger dauerte, von und bis in die Sowjetunion, bis Briefe uns erreichten. Als Gagarin die Welt als erster Mensch umkreiste schickte sie mir eine Postkarte mit dem Bild von Gagarin und seiner Unterschrift und ihr rotes Halstuch als Pionier.

Zum Thälmann-Pionier wurde ich dadurch trotzdem nicht, ich habe es auch niemals getragen, das blaue Halstuch gefiel mir besser, trotzdem habe ich ihr Geschenk aufbewahrt, wie ich ihre Briefe, ich glaube sie existieren noch heute, vielleicht hat sie meine Tochter nach meinem Wechsel nach Guatemala aufbewahrt.

Ich nehme an, sie müsste heute das gleiche Alter wie ich haben, was würde sie wohl heute denken?

Wenn ich Sawsan Chebli wäre würde ich jetzt schreiben, dass mir eine Nachbarin gestern erzählt hätte, die sie kürzlich getroffen hat, dass sie gerade auf dem Weg nach Lemberg ist und dort aus Angst vor Putin einen Freifahrtsschein der Deutschen Bundesbahn in Anspruch genommen hat, um nach dem Neuen Deutschland zu fliehen und jetzt die Russen hasst, deren Sprache sie spricht und Selensky liebt, weil er diese Sprache in der Ukraine verboten hat.

Sicher würde sie noch nicht wissen, dass man jetzt in Deutschland Russen jagt, wie einst die Juden im Dritten Reich, diesmal mit dem Spruch, kauft nicht bei Russen.

Vom Regen in die Traufe, obwohl sie Ukrainerin ist, weil sie Russisch spricht.

Es täte mir wirklich leid, wenn sie zu dieser Erkenntnis kommen würde.