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Wahre Geschichten aus der DDR XXXVI- Prager Fruehling Fortsetzung

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bandicam 2018-08-20 11-54-26-917

Zu diesem Zeitpunkt war das Wetter schoen, Sonnenschein und so richteten wir unsere Zelte her, Gulaschkanone, Fruehsport, waschen am fliessenden Wasser, das vom Ueberlauf der Talsperre herabfloss, wir waren nicht allein, auch eine andere Stabseinheit hatte sich weiter unterhalb angesiedelt, normaler Soldatenalltag. Eigentlich bis zum Ende des Monats hielt sich das Wetter, dann schlug es um in tagelangen stroemenden Regen.

Werda_Staumauer

Unsere Besuche in den einzelnen Einheiten waren Routine, aber die Motschuetzen hatten es schlechter als wir, unsere Sachen trockneten nichtmehr, die Stiefeln, landlaeufig als Knobelbecher bezeichnet, waren durchgeweicht, so dass es beim Laufen quietschte und so sank die Truppenmoral, Gummistiefeln wurden angemahnt, aber nichts passierte.

Langsam setzte sich auch Rost an unseren Waffen an und so war Waffen reinigen taegliches Ritual, wie der Fruehsport. Unterhalb einer Staumauer mit dahinter Millionen von Litern Wasser, ist gewoehnungsbeduerftig und fuer meine Begriffe und taktisch ein Fehlgriff, bei einem Sabotageakt oder einer Bombardierung, waeren wir abgesoffen wie die Maeuse mit samt den an deren Einheiten, aber wie mit den Gummistiefeln, nicht alles was nach Gold aussieht ist auch wirklich Gold.

Bundesarchiv_Bild_183-2008-0118-502,_Siegfried_Weiß_bei_NVA-Truppenbesuch

Am 5.September, der Regen hatte sich beruhigt, aber die Zufahrtswege zu den Einheiten die wir besuchten waren aufgeweicht, so dass es teilweise schwierig war, selbst mit Allrad,durchzukommen, besuchte Generalleutnant Weiss die Einheiten und Truppenteile, Lagerstrassen wurden wie ueblich weiss gestrichen und der General erschien mit seinem Stab in einer der Einheiten. blanke Stiefeln, Feldbluse und einige seiner Stabsoffiziere, sich nicht an das Protokoll haltend sprang er ueber einen Graben, landete im Schlamm und stampfte zu den Zelten der Motschuetzen und unterhielt sich mit ihnen.

Kurz darauf erschien er wieder bei seinem Stab, die Miene war undurchdringlich und verschwand mit ihnen. Einige Tage spaeter erhielten die eingesetzten Einheiten endlich Gummistiefeln, ja da musste erst ein General kommen!

Das alles fiel mir wieder ein, als ich auf Wikipaedia das Foto von seinem Besuch sah.

In den folgenden Wochen, das wetter verschlechterte sich zunehmend und es fiel der erste Schnee. Wir widmeten uns der Truppenbetreung, Kinonabende, Betriebsbesuche wurden organisiert, ein Soldat der nicht beschaeftigt wird ist unzufrieden.

Unsere Rundfunk- und Kinowagen waren in allen Einheiten im Einsatz, nicht immer zur Freude derer, die zusehen wollten. Ich kann mich erinnern, dass da irgenwo jemand auf die Schnappsidee kam gerade in den Einheiten den Film „Das russische Wunder“ zu zeigen, ich hatte ihn mir schon in der Schule ansehen muessen, als Pflichtveranstaltung viel weniger hier, aber Befehl ist Befehl, fast fuenf Stunden lang. Das Ergebnis war, ein umgestuerzter Kinowagen, die Soldaten hatten ihn einfach umgekippt, er musste geborgen werden, phsychologische Kriegsfuehrung mit Negativeffekt, man haette es wissen muessen.

Mitte Oktober war es endlich soweit, der Befehl zum Rueckmarsch in die Kasernen.

Von den Struktuerveraenderungen in unserer Einheit ahnten wir noch nichts, mit Beginn des neuen Jahres sollten wir es erfahren, auch das waren Konsequenzen aus der Krise in den CSSR.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46265594.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Prager_Frühling#cite_note-30

https://www.freitag.de/autoren/lutz-herden/1968-scheiden-tut-weh

http://www.spiegel.de/politik/ausland/warschauer-pakt-einmarsch-ministerpraesident-andrej-babis-ausgepfiffen-a-1224281.html

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