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Wahre Geschichten aus Guatemala l – Im Land des ewigen Fruehlings

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Da ich mich einige Zeit mit Geschichten aus der DDR ueber Wasser gehalten habe, er scheint es mir zweckmaessig eine weitere Serie zu beginnen. Auch hier gibt es vieles, was es lohnenswert erscheinen laesst, es zu Papier zu bringen. Eine mir nahestehende Person hat mir kuerzlich geschrieben, dass es ihr bekannt ist, warum ich ins Ausland gegangen bin, ich habe ihr ebenso freundlich geantwortet, das ich ihr das nicht glaube, denn wer weiss es besser als ich.

Der Klatsch ist nun einmal nicht kleinzukriegen, hierzu sagt man in Spanisch chisme, eine der am haeufigsten gebrauchten Form der Kommunikation, nicht nur bei Frauen. Will man fuer die Leute interessant sein und auch bleiben, muss man diesen Menschen immer genuegend Futter geben, in den Staedten ist das weniger ein Problem, als auf dem Lande, wo ich nun schon seit 10 Jahren meinen vielleicht letzten Wohnsitz genommen habe. Ich fand und finde die Staedte scheusslich, hier auf dem Lande fuehle ich mich hier frei, wie in meiner Kindheit in Deutschland, ich war nie ein Stadtmensch. Im Dorf kennt noch jeder jeden, ausgenommen ich, in den 10 Jahren ist es nicht besser geworden, die meisten kennen mich, durch den Klatsch, ich kenne die wenigsten, zumindest mit Namen, da ich mich selbst an dem Klatsch ueber andere Leute nicht beteilige und so sitze ich auch nicht nach dem Mittagessen im Park oder vor den vielen Kantinen, um darueber zu reden wie und wann Mais ausgesaeht wird, hoere mir nicht die Geschichten und Probleme, die einer mit seiner, oder der Frau eines anderen hat an, oder beteilige mich nicht an den hochpolitischen Diskussionen ueber die naechsten Gemeindewahlen und die Kandidaten, oder wer gerade gestorben ist und wieviel Leute beim Begraebnis waren, ehrlich mich interessiert es nicht, das ist das Feld der sogenannten Stammtischpolitiker, die ueber andere richten und selbst nie Verantwortung uebernehmen wollen.

So gibt es hier keine Zeitung, die wird nicht gebraucht, der Klatsch verbreitet sich schneller als man eine Zeitung schreiben und verteilen kann, jetzt geht es noch schneller durch Facebook, mindestens ein Telefon mit Internet hat jeder.

Ich bin Interessant, keiner meiner Schritte bleibt unbemerkt, oder unkommentiert, obwohl ich das Haus nur zum einkaufen verlasse, das ist Nahrung fuer den diversen Klatsch, in den ersten Monaten meines Hierseins war das anders, da musste ich schnellstens diese Gesellschaft kennenlernen und sie mich und so erzaehlen sie sich im Dorf heute noch die Geschichten aus dieser Zeit. Spanisch beherrschte ich wenig, meine selbstgebildenten Saetze wurden legendaer, sie waren grammatisch so falsch, aber gerade darum wurden sie beruehmt. Ich lernte schnell und bald hatte ich Schwierigkeiten, wenn mich einer auf Deutsch ansprach und ich ueberlegen musste in deutsch zu antworten, automatisch und unbewusst wechselte ich in spanisch. Einzig, wenn ich wuetend war verfiel ich in ein klassisches Spanisch. Heute passiert mir das selten, das macht meine Beschaftigung im Internet und der Personenkreis mit dem ich kommuniziere. So faellt mir jetzt eine Geschichte aus den ersten Monaten im Dorf ein, ich will sie ihnen nicht vorenthalten.

Wieder einmal sassen wir mit meinen Freunden in einer kleinen Kantine an der Hauptstrasse gemuetlich beim Bier, ein Tisch fuer 6 Personen, wir waren drei. Nach einigen Minuten traten drei weitere ein und einer von ihnen, gross und staemmig setzte sich ungefragt an unseren Tisch, ich kannte ihn nicht, meine Freunde kannten ihn offensichtlich. Seine Freunde und er waren bestens bewaffnet, das gefiel mir garnicht, die anderen stoerte es offensichtlich nicht. Ich bin nun mal ein ehrlicher Mensch und halte auch nicht hinter dem Berge, wenn mich etwas stoert, und seine Waffe stoerte mich sichtlich.

So waehlte ich ein gepflegtes Spanisch: „ Weisst Du mir gefaellt es nicht, wenn sich jemand an meinen Tisch setzt mit einer geladenen Pistole“, in seinem Gesicht zeichnete sich ein tiefes Erstaunen ab,“ entlade deine Pistole und stecke das Magazin in deine Tasche, dann kannst du mit uns ein Bier trinken“, Verblueffung machte sich breit, er wusste im Moment nicht woran er war und wirklich er entlud die Pistole, an der Stirnseite unseres Tisches sah ich die Waffe in der Hand meines Freundes. So ganz geschlagen wollte sich der Andere aber nicht geben, schon aus Prestigegruenden, er bot mir seine Faust zum schocken. Nun war das aber keine kleine Faust, sie war doppelt so gross wie meine, ich dachte Bange machen gilt nicht und so knalle ich meine mit aller Kraft gegen seine. Ungeachtet der Schmerzen die ich verspuerte schockte ich noch zwei mal, es musste gewirkt haben, nach einem gemeinsamen Bier verschwand er mit seinen Freunden, die Pistole meines Freundes war im Guertel verschwunden.

Erst spaeter erfuhr ich dass mein Gegenspieler nicht gerade zu den beliebtesten Personen im Ort gehoerte, Repekt muss ich ihm aber abgerungen haben. Dank dem Klatsch wurde unser kleines Taechtelmaechtel Dorfgespraech und erhoehte mein Ansehen als Deutscher ungemein, ganz ungefaehrlich war es nicht gewesen. Durchsetzen muss man sich hier, das habe ich in Guatemala gelernt.