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Befreiung von Auschwitz vor 75 Jahren – Zwiespaeltige Gedanken

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bandicam 2020-01-27 14-52-19-828

Lange habe ich dieses Bild auf mich einwirken lassen, ueberlegend, schreibe ich meine Gedanken auf, oder schweige ich besser.

Was macht das Bild von der Gedenkveranstaltung im ehemaligen KZ Auschwitz so besonders, was haben sich die Organisatoren dabei gedacht.

Die Schienen auf denen die Todeszuege in das Konzentrationslager rollten, man sieht sie nicht, gespenstisch mit rotem Licht angestrahlt das Eingangsgebaeude, der Himmel ueber dem Vorplatz leuchtet im Blau der Scheinwerfer, gleichsam dem Blau der Streifen auf den Haeftlingsanzuegen und vor dem Gebaeude sitzen die 200 Ueberlebenden, viele von ihnen in Rollstuehlen, einige von ihnen in ihren Haeftlingsanzuegen, sicher sehen sie andere Bilder als das, was ihnen hier geboten wird.

Fuer mich ist dieses Bild surrealistisch, so surrealistisch, wie die Aufnahmen von Leni Riefenstahl auf dem Naziparteitag in Nuernberg.

Ich werde das Gefuehl nicht los, das zwischen dem was wirklich in Auschwitz passierte und dem was die Veranstalter inszenierten, Welten liegen und denke, geht es mir eigentlich allein so, ich habe es noch nicht herausgefunden, da aendern auch die Augenzeugenberichte und Ansprachen der Anwesenden nichts daran.

Eigentlich sollte es ein Ort der Stille sein, spektakulaere Effekte scheinen mir unangebracht, wie ich auch keine Kirchen mit Discomusik liebe, es sind Orte der Andacht und der Stille.

Ich erinnere mich an Buchenwald, wir besuchten es mit meiner Schulklasse 1962 und ich sehe noch heute die im Hauptgebaeude aufgebauten Utensilien aus Menschenhaut, das Krematorium, den Steinbruch den Glockenturm, die Stille des Gedenkens, der Erinnerung und der Mahnung.

Nur so ehrt man das Andenken, dazu benoetigt man keine Lichteffekte und keine politischen Vortraege, der Ort und seine Geschichte sprechen fuer sich, kein Platz fuer politische Polemik.

Welche Blueten das inzwischen treibt kann man heute in den Medien lesen:

bandicam 2020-01-28 09-40-20-708

Holocaust und Klimawandel, hier wird auch kein Besuch mehr in Auschwitz helfen, alles wird instrumentalisiert und damit profanisiert. Auch ich gehoere der Nachkriegsgeneration an, die alles nur noch aus Buechern und Erzaehlungen kennt, die Generation des Tom Radtke aus Hamburg, worauf stuetzt sich ihr Wissen, ihre Einstellung und ihr Handeln, wahrscheinlich auf das kollektive Versagen von Gesellschaft, Familie, Schule und vor allem der Politik.

Holocaust

Mir faellt es schon schwer die nuechterne Betonwueste in Berlin, die man als Holocaustmahnmal verstehen soll, mit Auschwitz oder Buchenwald in Verbindung zu bringen, jungen Menschen wie Tom Radtke wahrscheinlich ungleich schwerer.

Ob sie sich die Uebertragung von der Gedenkveranstaltung angesehen haben bezweifle ich, das sie sich Gedanken darueber gemacht haben ist ausgeschlossen.

Man bestraft Besucher des Konzentrationslagers in Auschwitz dafuer, dass sie sich einen Stein aus dem Gleisbett mit nach Hause nehmen wollen, weil es dem Andenken schade, ein Lichtspektakel dagegen schadet nicht, stellt ein Schueler in Buchenwald Fragen, die nicht der Doktrin entsprechen ist er Nazi, zweifeln ist inzwischen gefaehrlich geworden.

Ich bin mir sicher, meine juedischen Freunde hier in Guatemala werden mir zustimmen, Antisemitismus bekaempft man nicht mit Mahnmalen.

Sie haben auch ihre Erfahrungen mit dem Antisemitismus, denn den gibt es auch hier, nicht nur in Deutschland und Europa.