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Bundesrepublik Deutschland

Wahre Geschichten aus der DDR III

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4. Lehrstellensuche in der DDR ein heisses EisenBetriebsberufsschule DDR

Da ich die Erweiterte Oberschule aus den im vorherigen Beitrag angefuehrten Gruenden nicht besuchen konnte absolvierte ich die 10. Klasse und bereitete mich auf die Erlernung eines Berufes vor.

Die Technik war seit meiner Kindheit neben den Buechern mein bevorzugtes Interessengebiet.

Begonnen hatte es mit meiner elektrischen Eisenbahn, die mir meine Eltern im zarten Alter unter den Weihnachsbaum legten und einem Elektrobaukasten,, mit dem man in die Geheimnisse der Elektrotechnik eintauchen konnte und den ich auch zu manchem Schabernack nutzte.

In der GST, der Gesellschaft fuer Sport und Technik, damals war sie noch keine Wehrsportorganisation in dem Sinne zu der sie spaeter wurde und der ich auch dann den Ruecken kehrte, lernte ich wie man mit der Morsetaste umgeht und brachte es auch bis zur Lizenz fuer Amateurfunk-Hoehrer und baute meinen ersten eigenen Empfaenger. So legte ich fuer mich den Grundstein fuer einen zukuenftigen Beruf.

Noch vor dem Abschluss der 10. Klasse begann die Suche nach einer geeigneten Lehrstelle, Berufsberatung war das Stichwort und so begab ich mich mit meinen Eltern dorthin, das Angebot war niederschmetternd.

Die DDR garantierte jedem Schulabsolventen eine Lehrstelle, das ist richtig, aber nicht jedem seine Lehrstelle, das war der Haken.

Eigentlich war der Begriff Berufsberatung falsch, viel besser waehre Berufslenkung, denn die geplanten Lehrstellen mussten besetzt werden und so versuchte man natuerlich die Schulabsolventen dorhin zu vermitteln wo der geplante Bedarf am Groessten war, wie z.B in der Landwirtschaft.

Fuer personeliche Wuensche gab es dabei wenig Spielraum. So war die offizielle Lesart, Gesellschaftliche Beduerfnisse stehen immer ueber den persoenlichen Wuenschen, Einsicht in die Notwendigkeit, ich war nicht einsichtig genug, um das zu akzeptieren, wie ich auch spaeter meine Probleme damit hatte.

Wenn ich das hier so hinschreibe denke ich da das alles auch dem geschuldet ist, dass gerade in den Jahren 1960 und 1961 in der DDR praktisch alle privaten und halbstaatlichen Betriebe in Volkseigentum ueberfuehrt, sprich praktisch enteignete, womit sich die Situation verschaerft wurde.

Dazu muss man wissen, dass Handwerk, Gewerbe und klein- und mittelstaendige Betriebe gegenueber den grossen Wirtschaftseinheiten vorher den groessten Anteil an Auszubildenen aufwiesen, wie es auch heute in der Bundesrepublik ist, aber dieser Mittelstand wurde drastisch verringert, dessen Auswirkungen wir deutlich zu spueren bekamen. Praktisch blieb nur das Handwerk uebrig und das konnte keinen Ausgleich schaffen.

In unserer Region beschraenkte sich das Angebot an Lehrstellen auf die Ausbildung in der Landwirtschaft, die Textilindustrie, wenige im Maschinenbau, und in der Fahrzeugindustrie. Lehrstellen fuer Fernsehmechaniker, Elektrotechniker und anderes gab es nur im Handwerk, aber dort wollten sie mich nicht, da diese Stellen vor allem den Soehnen und Toechtern der Berufsgruppenmitglieder vorbehalten waren und kaum ein aussenstehender Zugang hatte, ausser man hatte gute Beziehungen, da funktionierte alles.

Von zu Hause wollte ich nicht weg, zu guter Letzt setzte sich ein Bekannter meiner Familie fuer uns ein und ich erhielt eine Lehrstelle im Kraftwerk Hirschfelde, als Elektromonteur, vieles war ohne Beziehungen einfach nicht zu machen. Jeden Tag 16 Kilometer hin und 16 Kilometer zurueck und das bei jedem Wetter und das zweieinhalb Jahre lang. Frueh um fuenf Uhr mit dem Bus nach Hirschfelde und Nachmittag um 6 Uhr wieder zu hause, mit dem Motorrad ging es etwas schneller und im letzten Lehrjahr 4 Schichtbetrieb an 365 Tagen des Jahres als Option fuer die Zukunft.hirschfelde-300x200

So wurde ich zwar kein Fernsehmechaniker, aber in der Not frisst der Teufel Fliegen, bereut habe ich es nicht, denn die Ausbildung war so vielseitig, so lernte ich die Grundlagen der Schlosserei, Schweissen, Schmieden, Hoch und Niederspannungstechnik, Messtechnik und Leitungsbau im praktischen Teil und genoss eine theoretische Ausbildung an der Berufsschule, die wie ich glaube in der Region mit zu den Besten gehoerte. Dass ich davon profitiert habe steht ausser Zweifel, dass ich darin die Erfullung meiner Traeume gefunden haette, kann ich nicht behaupten, denn nur etwas was man mit Lust und Liebe tut wird dich befriedigen und so wurde ich auch nur ein halber, oder dreiviertel Elektromonteur, im Endefekt hat es mich in meinem Wissen gestaerkt, aber nicht davon abgehalten nach der Lehre erst einmal meinen erlernten Beruf an den Nagel zu haengen. Zugegeben es war nicht der einzige und ausschlaggebende Grund.

Ich komme bestimmt spaeter an anderer Stelle darauf zurueck!