Wenn man an einem solchen Tag Geburtstag hat

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Vierundsiebzig Jahre, irgendwie schleppt man nicht nur die Last des Alters, sondern auch die der Geschichte, ich weiß nicht was schwerer ist, heute ist es scheinbar die Geschichte.

Das Wertvollste, was der Mensch besitzt, ist das Leben. Es wird ihm nur einmal gegeben, und er muss es so nützen, daß ihn sinnlos verbrachte Jahre nicht qualvoll gereuen, die Schande einer kleinlichen, inhaltslosen Vergangenheit ihn nicht bedrückt und daß er sterbend sagen kann: Mein ganzes Leben, meine ganze Kraft habe ich dem Herrlichsten in der Welt – dem Kampf für die Befreiung der Menschheit – geweiht. Und er muß sich beeilen, zu leben. Denn eine dumme Krankheit oder irgendein tragischer Zufall kann dem Leben jäh ein Ende setzen.“

– Nikolai Ostrowski: Wie der Stahl gehärtet wurde

Im Osten Deutschlands kennt man noch diese Worte und mancher wird sich auch daran erinnern woher sie stammen, im Westen unseres Landes kennt man sie kaum und deshalb bleiben sie Inhaltslos.

Nach der Befreiung Berlins durch die Rote Armee sagte General Schukow:

Wir befreien sie und sie werden uns das niemals danken!“

Es ist so eine Sache mit dem Dank der Zwangsbefreiten.

Mein Vater wurde am 8. Mai 1945 in Pilsen durch die Amerikaner interniert, meine Mutter und die Nachbarinnen durch russische Soldaten vergewaltigt.

Wieder am 8. Mai, aber 1947, wurde mein Vater durch die Amerikaner aus der Gefangenschaft entlassen und am 8. Mai 1948 erblickte ich zum ersten Mal das Licht der Welt.

Meine Mutter ließ mich taufen, das war auch eine Vergewaltigung, aber meine Einzige, ich wurde zwangsweise Christ und ein Jahr später wurde ich DDR-Bürger und da sang man Deutschland einig Vaterland, Eisler sang „Ami go home“, alle Sieger blieben, bis 1994, da zog die Rote Armee ab, der Osten Deutschlands war befreit, im Westen blieb alles beim alten. achtzehn Jahre später ist das gesamte Deutschland wieder auf dem Weg nach Osten, um die Ukraine von den einstigen Befreiern Berlins zu befreien, die wiederum die Ukraine von den Nazis befreien wollen.

Mein ganzes Leben, meine ganze Kraft habe ich dem Herrlichsten in der Welt – dem Kampf für die Befreiung der Menschheit – geweiht,

läßt Ostrowsky, Pawel Kortschagin sagen, ich frage mich nur, was meint man heute mit dem Kampf um die Befreiung der Menschheit und wovon will man die Menschheit befreien?

Krieg ist es nicht, Atomwaffen sind es nicht, Viren sind es nicht, die vergöttert man sogar inzwischen, wie aus Regierungskreisen verlautet, Russland und Putin sind es inzwischen, militärisch schlagen und wirtschaftlich aushungern, liest man in einer deutschen Zeitung, die Nazis können bleiben!

Ich hab mich einmal vergewaltigen lassen, ein zweites Mal passiert mir das nicht, unsere Tochter sagte heute „ du sollst 110 Jahre werden“, versprochen habe ich es ihr,

aber

eine dumme Krankheit oder irgendein tragischer Zufall kann dem Leben jäh ein Ende setzen.

Ich lasse es drauf ankommen!

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