Geschichten aus Guatemala – Expertinnen am Gartenzaun

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Auf dem Dorf zu leben ist schoen, auch hier in Guatemala. Kein Wunder, viele der grossen Politiker stammen vom Lande und genau das ist es, was mich in dieses Nest, fern der Zivilisation gefuehrt hat.

Das vorherrschende Thema nicht nur der grossen Politiker ist der Coronavirus. Als ich vor vielen Jahren hier ankam gab es ein einziges oeffentliches Telefon im Dorf und zwei Mal am Tag gab es eine Busverbindung mit der Aussenwelt. Heute ist das anders, selbst die Aermsten haben mindestens ein Smartphone und koennen es sogar bedienen, noch vor 4 Jahren wusste unsere Nachbarin noch nicht wie Telefon geschrieben wird, heute hat jeder in der Familie eins und surft im Internet.

Der Wissenszuwachs ist ungemein.

Da auch alle in der Nachbarschaft daran teilhaben sollen, werden schon am fruehen Morgen lautstark alle informiert, heute war das Thema Ausgangssperre ist fuer die armen Laender schaedlich, das jedenfalls hatte der Chef der Weltgesundheitsorganisation in den Sozialen Medien verbreitet.

bandicam 2020-05-19 11-07-16-953

Meine Frau und die Nachbarin sind sich in vielen einig, an Coronavirus wollen sie nicht sterben, auch nicht an Hunger, denn unsere Nachbarin betreibt mit unterschiedlichem Erfolg eine kleine Verkaufsstelle, eigentlich betreibt sie ihr Mann, denn sie ist inzwischen so mit ihrem Smartphone beschaeftigt, dass sie dazu keine Zeit hat.

Die Oeffnungszeiten sind jetzt drastisch eingeschraenkt, das wirkt sich auch auf ihr Geld aus und so ist sie mit den Massnahmen der Regierung nicht einverstanden. Sie hat einen breites kritisches Publikum in der Nachbarschaft, welches aus grossen Regionalpolitikern besteht, zumindest koennte man das meinen, wenn man sie nicht kennen wuerde.

Den FC Bayern kennen sie, Fussball ist Nationalsport, inzwischen wissen sie auch wo Deutschland liegt, frueher war das anders, da war Deutschland oberhalb von Amerika angesiedelt, die Immigration nach den USA hat positive Seiten, Goethe schrieb, Reisen bildet, hier findet es seinen Ausdruck.

Da hatte doch der Buergermeister vor einigen Tagen fuer jede Familie ein Liebesgabenpaket zusammenstellen lassen, Geschenke sind immer willkommen, weil man hinterher auch kraeftig und lautstark kritisieren kann. Natuerlich wurde nachher darueber diskutiert, da gab es Mehl, Zucker, Speiseoel und schwarze Bohnen, fleisige Rechner waren auch gleich am Werk um den Verkaufswert zu berechnen.

Mit tiefer Zufriedenheit stellte man wieder fest, der angegebene Wert stimmte nicht mit dem eigentlichen Wert ueberein, endlich konnte man wieder lautstark Betrug rufen und darueber diskutieren, waehrend die Kaeufer geduldig in der Schlange im Geschaeft warteten bis der Anfall vorbei war.

Gestern habe ich geschrieben, einem jeden Recht getan ist eine Kunst die niemand kann, armer Buergermeister!

Ich bin nur Zuschauer, das macht mich froh und so schliesse ich meine Tuer, wenn die Stammtischstrategen in ihre Diskussionen eintreten und oeffne sie wieder, wenn sie sich ausgetobt haben und schaue mir inzwischen einen Western an, den ich mir vorgestern aus dem Schweizer Fernsehen heruntergeladen habe.

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