Wahre Geschichten aus der DDR XXXVII- Mein Vater- Teil 3

Standard

wp_ss_20140919_0001.jpg

 

Die Uebernahme der Kriegsgefangenen durch die Truppen von General Patton in Pilzen erfolgte am 8. Mai 1845, ohne Dokumente, kein Soldbuch, kein Wehrpass, einfach nichts, ausser der Erkennungsmarke, wohin die Reise ging, welches Kriegsgefangenenlager, in den amtlichen Dokumenten der Wehrmachtsauskunftsstelle in Berlin, ueberall grosse Fragezeichen, Truppenteil Luftwaffe, keine Einheitenbezeichnung, Wehrpass, Stammrolle, Wehrstammbuch liegen nicht vor, vermutlich durch Kriegseinwirkung vernichtet, so die lakonische Antwort. Geburtstag inzwischen das dritte Datum 28.07.1903.

Dienstgrad laut Meldung vom 29.08.1942 Gefreiter, laut Meldung vom 08.05.1945 Obergefreiter.

Nun wird es besonders interessant, nach den Unterlagen der Wast geriet er zwar am 8.05.1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft, aber Interniert wurde er erst am 11.04.1947. und wurde am 07.05.1949 aus dem US-Gewahrsam entlassen, da passte nichts mehr zusammen, wenn es so gewesen waere muesste ich mein Geburtsdatum korrigieren lassen.

Die Erzaehlungen meines Vaters waren etwas praezieser, Gefangenenlager auf einer Wiese mit 20000 Kriegsgefangenen, keine Zelte, keine Decken unter freiem Himmel fuer Monate, kein Wasser kein Essen, taegliche Appelle auf der Suche nach SS-Leuten, mein Vater hatte alle Zaehne verloren, seine geliebte Mundharmonika konnte er nicht mehr spielen und Tote. Trotzdem fand er die Amerikaner noch humaner als die Englaender und Franzosen.

Das Rote Kreuz hatte in dieser Zeit Zutrittsverbot fuer das Lager, obwohl man sich auf die Haager Landkriegsordnung berief.

Muss man noch fragen wo er gelandet war, ich glaube nicht, es waren die beruechtigten Rheinwiesenlager, in denen in den vier Monaten in den sie bestanden wohl mehr als eine Million deutsche Soldaten gestorben sein sollen.

Wieder hatte mein Vater Glueck.

Nach vier Monaten im September war er einer der Auserlesenen 5000 Gefangenen, die nach Luxemburg zur Arbeit in der Landwirtschaft geschickt wurden um die Schaeden zu beseitigen, die durch die Ardennenoffensive im Norden des Lands entstanden waren. Mein Vater schwieg ueber diese Zeit hartnaeckig, wie schon ueber die Zeit zwischen 1943 und 1945, nur bruchstueckartig erfuhr ich spaeter davon. In Erinnerung habe ich sein Aussagen ueber den Bauern, bei dem er tagsueber arbeitete und ueber sein Liebesverhaeltnis zu einer jungen Frau, die ihm noch nach der Entlasssung Briefe schrieb, meine Mutter wusste es und anscheinend tolerierte sie es auch, die Briefe vernichtete sie, nur ein Briefumschlag mit der Adresse zeugte noch davon.

Erst kurz vor seinem Tode wurde er gespraechiger, aber dazu spaeter.

Fuendig wurde ich nach der Auskunft von der Wast in Berlin, bei Roten Kreuz in Muenchen, dem Internationalen Suchdienst, aber nur ueber die Zeit in Luxemburg.

Kriegsagefangenschaft060.jpg

Praktisch war mein Vater in Luxemburg kein Kriegsgefangener, sondern hatte ein freies Arbeitsverhaeltnis als Landarbeiter, erst am 11.04.1947 wurde er offiziel als Kriegsgefangener registriert und interniert und zwar im PEW Camp 10 in Heilbronn, so ist es aktenkundig und wurde am 7. Mai 1947 von dort offiziell aus der Kriegsgefangenschaft entlassen.

So wurde mein Vater in die sowjetische Besatzungszone entlassen, nicht ohne Wehmut dachte er an die Zeit in Luxemburg zurueck, aber ehrlich gesagt, hier endet ein weiteres Kapitel und beginnt ein neues in der Heimat.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s