Wahre Geschichten aus der DDR XXXVII- Mein Vater- Teil 2

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Mit der Einschaetzung des Charakters meines Vaters wird es problematisch. ich wuerde ihn mit gutmuetig, friedfertig, aber konsequent beschreiben. Wenn ich konsequent schreibe, so ist das geschoent, aber das Wort stur wollte ich nicht gebrauchen.

Einmal festgelegt auf eine Meinung, da blieb kein Weg mehr zurueck, seine Brueder, seine Schwestern alle waren darin gleich, irgendwie ein Markenzeichen der Ullrichs mit zwei L.

Das war so in der eigenen Familie als auch im Zusammenleben mit anderen Menschen. Wirkliche Freunde gab es nicht, zumindestens habe ich keine kennengelernt, einzig die Kameradschaft meines Vaters mit seinen Kriegskameraden, nach ihrem Tode musste er ohne sie auskommen. Kameradschaft ist nun einmal etwas anderes als Freundschaft, Kameradschaft wird durch die aeusseren Umstaende zusammengeschweisst, Freundschaft muss von innen kommen.

Seinen Stolz zu verletzen, da konnte er ungemuetlich werden, gewaltaetig habe ich ihn aeusserst selten erlebt, er war ein liebevoller Vater.

Nie hat er mich geschlagen, aber immer geholfen wenn es moeglich war. Nie habe ich ihn klagen hoeren, wenn es ihm schlecht ging, auch nicht auf seinem Sterbebett auf der Intensivstation. Vielleicht hatte ihn der Krieg hart genug gemacht, um alles das wortlos zu ertragen.

1939 wurde er zur Wehrmacht eingezogen, Grundausbildung in Leipzig mit Haeschen huepf und im Schlamm auf dem Koppelschloss drehen, beim Einmarsch in Polen, der Annektion von Oesterreich und der Tschechien brauchte man ihn noch nicht. Gelandet war er, nach seiner Hundemarke zu urteilen, bei der Flak, nicht bei der Heimatflak, sondern der Truppenluftabwehr.

1940 wurde die 16. Panzerdivision als Lehrdivision nach Rumaenien verlegt, die Einheit meines Vaters gehoerte offensichtlich dazu und war zum Schutz der rumaenischen Oelfelder um Constanta und Mamaia eingesetzt. Hier hatte er sich 1941 eine schwere Malaria zugezogen, Glueck im Unglueck.

Der Ueberfall auf die Sowjetunion zusammen mit der 16. Panzerdivision der Einmarsch, der ihn, so wie ich aus der Geschichte der Panzerdivision entnehmen konnte, ihn fast bis an den Ural fuehrte, die Malaria hat ihm das Leben gerettet, Stalingrad musste er nicht miterleben, die 16. Panzerdivision wurde aufgerieben und seine Flakeinheit entkam dem Kessel wenige Stunden vor der Schliessung, das wusste er nur aus Erzaehlungen, denn zu diesem Zeitpunkt war er schon in Krakau im Lazarett und spaeter in Budweiss im Reservelazarett.

Ueber die naechsten zwei Jahre bis zum 08.05.1945 breitet sich ein eisernes Schweigen aus, ich kann mich auch nicht erinnern dass mein Vater je darueber gesprochen haette, ausser ueber seine Gefangenenahme in Pilzen durch die tschechischen Partisanen, die Auspluenderung durch sie und die Uebernahme durch die Amerikaner.

Hier endet erst einmal der 2. Teil, noch ist es Zeit fuer den naechsten Abschnitt aus dem Leben meines Vaters.

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